Einer der Momente in meinem Leben…
Vor circa 10 Jahren saß ich auf meinem Sofa, zum ersten Mal ohne Partner an meiner Seite, frisch geschieden… ich spürte eine große, stille Leere, die sich nicht wegorganisieren oder wegdenken ließ. Es war kein Drama-Moment, es fühlte sich nach einer eher nüchternen Erkenntnis an, die sich langsam in mir ausbreitete.
Ich stellte mir eine Frage, die sich zunächst unscheinbar anhörte und doch mein ganzes Leben neu ordnen sollte:
Wer bin ich eigentlich, wenn niemand an meiner Seite ist?
Wenn mich kein Partner, keine Rolle, kein Außen definiert?
Ich hatte keine Antwort. Nur Fragezeichen.
Die Leere als Anfang
Ich wusste nicht, wer ich war, wenn all das wegfiel. Diese Leere war seltsam, weil sie mich mit mir selbst konfrontierte und sie war gleichzeitig der Anfang von etwas Neuem in mir.
Selbsterkenntnis beginnt in solchen Moment – wenn wir aufhören, uns selbst auszuweichen. Sie ist ein Prozess, in dem wir lernen, unsere Gedanken, Gefühle und Reaktionen bewusst wahrzunehmen und uns ehrlich zu fragen, warum wir so handeln, wie wir handeln.
Unsere innere Haltung bestimmt unser Leben weit mehr, als wir glauben. Solange wir sie nicht reflektieren, wirken alte Muster im Hintergrund weiter und formen Entscheidungen, Beziehungen und Wege, ohne dass wir es merken.
Der erste Schritt
Ich begann mit kleinen Schritten: Ich schrieb. Ich stellte Fragen. Ich hörte zu. Ich begann zu beobachten, welche Gedanken mich leiteten und welche Geschichten ich über mich selbst glaubte. Ich verstand, dass ich nur funktionierte und mich sehr nach den Bedürfnissen des anderen ausrichtete – ohne es zu bemerken.
Mit der Zeit erkannte ich, welche inneren Antreiber mich steuerten, welche Muster ich übernommen hatte und welche Anteile in mir eigentlich gesehen werden wollten. Und mit jedem ehrlichen Blick wurde die Leere klarer, füllte sich mit Selbst-Verständnis. Ich nahm mir Raum für mich.
Selbsterkenntnis bedeutet nicht, dich zu optimieren.
Selbsterkenntnis bedeutet, dich in der Tiefe zu verstehen, anzunehmen mit all dem, was dich ausmacht – mit all dem, wer du bist und was durch dich in Erfahrung gebracht werden möchte.
Was kannst du für dich tun?
1. Nimm dir Raum für Selbstreflexion: Journaling oder Meditation kann dir helfen, tiefere Einsichten über dich selbst (dein Denken, dein Fühlen, dein Handeln) zu gewinnen. Schaffe dir regelmäßig Zeit, in der du deine Gedanken sortierst, z.B. durch Schreiben, durch stille Momente, durch bewusste Fragen an dich selbst. Frage dich nicht nur, was passiert ist, sondern was es in dir ausgelöst hat und warum.
2. Beobachte dich aus der Vogelperspektive: Für eine gesunde Selbstwahrnehmung hilft es, dich innerlich zu beobachten und wahrzunehmen, wie du in bestimmten Situationen denkst, fühlst oder dich verhältst. Nimm hierzu die Vogelperspektive ein. Das unterstützt dich dabei, dich von dir und deinem Verhalten oder starken Gefühlen zu distanzieren. So entsteht ein neutralerer Blick auf eine festgefahrene Situation.
3. Hole dir ehrliches Feedback durch Andere: Feedback von Freunden, Familie oder Kollegen kann dir eine andere Perspektive auf deine Verhaltensweisen und Handlungen bieten. Oft entspricht unser Selbstbild in Teilen nicht dem Fremdbild. Frag daher die anderen, um einen weiteren Blick auf dich zu bekommen. Ein offenes Gespräch mit Menschen, die dir wohlgesonnen sind, kann neue Perspektiven eröffnen und blinde Flecken sichtbar machen.
4. Hole dir Unterstützung durch pprofessionelle Begleitung: Manche Muster liegen tiefer und sind allein schwer zu erkennen. Coaching oder therapeutische Begleitung können helfen, innere Antreiber und Schattenanteile bewusst zu machen und eine neue, stimmigere Haltung zu entwickeln.
Mut zur Selbstbegegnung:
Heute weiß ich, dass der Moment auf meinem Sofa nur gefühlt ein Tiefpunkt war – es war ein wichtiger und dankbarer Wendepunkt. Ich habe aufgehört, Antworten im Außen zu suchen, und begonnen, mir selbst zuzuhören. Vielleicht beginnt auch für dich genau dort etwas Neues, wo du bereit bist, dich ehrlich zu fragen: Wer bin ich eigentlich und was entspricht mir wirklich?
Der Weg zu dir selbst erfordert Ehrlichkeit und Mut, weil er dich mit Anteilen konfrontiert, die du vielleicht lange verdrängt hast. Gleichzeitig kann dieser Prozess echtes Wachstum und persönlichen Erfolg fördern und deine Einzigartigkeit hervorbringen.
„Erkenne dich selbst“ ist eine lebenslange Reise. Die Bereitschaft, dich auf den Weg zu machen, dich selbst zu hinterfragen und dich weiterzuentwickeln, führt zu tieferem Verständnis und zu innerer Freiheit. Insbesondere in einer Welt, die oft von äußeren Faktoren und Erwartungen, von sozialen Normen & Regeln geprägt ist, bleibt die Selbsterkenntnis ein mächtiges Werkzeug, um ein Leben zu führen, das dir und deinem individuellem Sein entspricht.
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Selbsterkenntnis beginnt mit Ehrlichkeit und gewinnt an Tiefe, wenn jemand den Spiegel gemeinsam mit dir hält.
Mit Human Design und Astrosophie machen wir sichtbar, was dich wirklich bewegt, was dich blockiert und wo du mehr Licht in dir anknispen darfst.
Ich wünsche dir den Mut, dir selbst zu begegnen – Schritt für Schritt.